Woran merkst du, dass es schon gut kommt?
Ich spüre, wenn die Anwesenden irgendwo Zeichen geben, dass sie mitarbeiten wollen. Ohne das geht es nicht. Wenn du als Therapeut:in nichts bewirkst, weil die Leute einfach dasitzen, dann ist das für mich keine Therapie. Manchmal muss man das auch klar sagen und einfordern. Gerade auch die jungen Psychotherapeut:innen sollten wir ermuntern, darauf zu achten. Wird Kooperation möglich? Und wenn nicht, ist Therapie nicht das richtige Mittel.
Ich hatte eine Sitzung mit einem Vater und seinem Sohn vereinbart. Der Vater kam pünktlich, der Sohn nicht. Dann hat der Vater gesagt: «Schauen Sie, genau so ist es.» Ich habe ihm dann vorgeschlagen, er soll ihn doch mit dem Handy anrufen, um zu klären, was los ist. Es stellte sich heraus, der Sohn hatte unterwegs einen Schaden an seinem Mofa. Er stosse es und käme so schnell wie möglich. Der Vater strahlte, dass seine Idee, der ist wieder unzuverlässig, nicht stimmte. Das war für mich das Signal: Die wollen etwas. Und wir konnten an der aktuellen Erfahrung des Vaters ansetzen: Mein Sohn ist zuverlässig.
Das ist eine schöne Episode. Wie bist du zu all den verschiedenen Puzzleteilen in deinem beruflichen Leben gekommen? Wie kam da Psychodrama, Jung, Systemisch, Hypno dazu?
Im Studium absolvierte ich mein Praktikum und meine erste Anstellung in der Auffangstation Tiefenbrunnen in Zürich. Dort hatten wir eine Supervisorin, die war eine begeisterte Psychodramatikerin. In der ersten Sitzung während des Praktikums bat sie mich, die Teamstruktur aufzustellen. Klar, das war ein bisschen Stress, aber das hat mich begeistert. Wie vieles, was ich ja so intuitiv wahrgenommen hatte, auch stimmte. Das war meine Begegnung mit dem Psychodrama. Später hatte ich das Gefühl, wir arbeiten im Psychodrama doch stark mit Trancezuständen. So begann ich mich für Hypno zu interessieren. Bemerkenswert erscheint mir, dass ja auch Gunther Schmidt, der Begründer der hypnosystemischen Therapie, in Psychodrama ausgebildet ist. Du gehst auf die innere Bühne, nimmst die wahr, beachtest die Problemtrance, die Lösungstrance, die Selbstwirksamkeit, das wird aktiviert. Heute weiss man, dass die gleichen Hirnzentren aktiviert werden, ob du dir eine Handlung vorstellst oder sie auch wirklich machst. Diese Erkenntnis ist für mich die beste Begründung, wieso Therapie wirksam sein kann.
Wie hast du von 1993 bis heute, die Entwicklung vom IEF mitbekommen?
Heute ist sicher alles strukturierter. Ich denke, das ist ja nicht einfach so passiert, sondern war unter anderem das Ergebnis der Akkreditierung durch das BAG. Es ist klar, dass man da nicht nur glücklich ist, dass diese Vorschriften kommen. Früher war es weniger strukturiert, aber ein Stück weit lebendiger. Wenn du denkst, all die Pioniere der systemischen Therapie, die hatten ja keine systemische Ausbildung gemacht. Die sind gross geworden durch das Tun, durch Reflexion ihrer Erfahrungen und Ausprobieren und Merken, wenn sie gescheitert sind. Diese Art von Lernen war früher eher da als heute. Was ich bedaure. Andererseits ist die Strukturierung auch Verpflichtung, Dinge anzuschauen, die ansonsten möglicherweise auf der Seite gelassen würden.