Das ist spannend, Metaphern vermitteln somit Würdigung und Kompetenzzuschreibung.
Mit Metaphern können Netzwerke und Konzepte sehr umfassend aktiviert werden. Wenn ich zum Beispiel die Metapher «Das Boot ist voll» anbiete, entsteht innerlich ein Bild, die meisten denken sofort an ein Boot auf dem Meer. Jeder weiss, dass, wenn noch jemand in ein volles Boot auf dem Meer hinzukommt, eine gefährliche, wahrscheinlich sogar lebensgefährliche Situation entsteht. Hierdurch entsteht Angst. Jedes Gefühl geht mit einem Handlungsimpuls einher, bei Angst ist es Flüchten und die Gefahr vermeiden. Hierdurch rücken die Idee und der Handlungsimpuls näher, niemanden mehr hereinzulassen. Wenn wir eine Metapher nutzen, dann werden sowohl rationales Wissen als auch Emotionen, sinnliche Erfahrungen und Handlungsimpulse aktiviert. Dies alles geschieht auch auf vor- und unbewussten Ebenen. Mit Impacttechniken materialisieren wir die Metaphern auch noch und ermöglichen einen multisensorischen Zugang.
Impacttechniken entfalten eine besondere Wirkung?
Impacttechniken sind eine besondere Art, metaphorisch in den Kontakt zu gehen, sich auszudrücken und damit auch Informationen auszutauschen. Manches kann man rational nicht beschreiben. Über Metaphern und das gemeinsame Begreifen oder Spüren können wir uns anders vermitteln und in Kontakt gehen. Und das ist wunderbar. Es ist eine Möglichkeit über die rationale Vorgehensweise und die übliche Sprache hinaus. Ebenso wichtig ist es, auch die Metaphern unserer Klienten aufzunehmen. Die Metapher ist die Tür ins Netzwerk der Klient:innen. Hierfür reicht oft ein Wort. Wenn mein Klient mit Depressionen zum Beispiel sagt: «Es ist alles so schwer», habe ich eine Idee, wie sich die Depression anfühlt, womit sie zu tun hat und wie das Lösungsnetzwerk aussehen kann. Ich kann die Metapher einfach aufgreifen und fragen: «Was macht es leichter?» Wenn er sagt: «Es fühlt sich so leer an», ist die punktgenaue Frage ins Lösungsnetzwerk: «Was erfüllt Sie?» Wenn mein Klient gegen Schmerzen oder Ängste «kämpft», stecken in der Formulierung wertvolle Hinweise über sein Verhältnis zu und seine Umgangsweise mit den Schmerzen oder Ängsten. Metaphorische Sprache beinhaltet viel Information und ermöglicht uns einen wunderbaren Zugang in das individuelle Netzwerk. Sie ermöglicht uns, sehr nah am Klienten zu arbeiten.
Metaphern sind auch bei der Arbeit mit chronischen Schmerzen nicht nur wichtig, um zu verstehen, sondern auch, um Veränderungen anzubahnen?
Ja, wir können Metaphern zum Beispiel nutzen, um weitere, dahinterliegende Themen zu entdecken. Die Aussage «Ich bin ein Gefangener meines Schmerzes» impliziert vielleicht auch Hilflosigkeit, Strafe, Schuld oder Sühne. So können wir das spezifische Netzwerk besser verstehen und auch, wie sich der Klient hinsichtlich des Symptoms strukturiert. Andererseits können wir über die Bilder Veränderungen anbieten und anstossen. Wenn jemand sagt: Der Schmerz fühlt sich an, als ob ein Messer in meinen Oberschenkel sticht, dann können wir fragen: Wie sieht das Messer aus? Angenommen, es wäre ummantelt, wie würde es sich dann anfühlen? Damit beginnen wir, etwas im Netzwerk zu verändern.
Bei chronischen Schmerzen, wenn Klienten gegen ihre Symptome kämpfen, wie kannst Du sie da rausholen aus ihrer Kampfhaltung?
Da biete ich eine Impacttechnik an, die über den Körper funktioniert: Ich gehe wirklich körperlich in eine Art Kampf mit den Klienten. Ich will mich zum Beispiel an ihnen vorbeidrängen, sie lassen mich aber nicht vorbei und dann fangen wir an zu kämpfen und schauen darauf, wie viel An- und Verspannung entsteht. Danach machen wir es so: Ich gehe auf sie zu; wenn ich bei ihnen bin, kämpfen sie nicht mit mir, sondern sie drehen sich um und wir gehen dann gemeinsam nebeneinander weiter. Man spürt sofort, wie viel entspannter und leichter dies ist. Eine andere Impacttechnik ist, dass der Klient mir mit angewinkeltem Arm gegenübersteht. Ich versuche seinen Arm in seine Richtung zu drücken und er soll dies durch Gegendruck verhindern. Dieses Dagegenhalten kostet sehr viel Kraft und letzten Endes ist die Person immer auf mich ausgerichtet; ich bestimme, was sie macht und womit sie sich beschäftigt. Beim zweiten Mal beginnen wir gleich, aber nun soll die Person ihren Arm bewegen, wie sie will. Es ist erstaunlich, in dem Moment habe ich gar keine Chance mehr als Gegendrücker, sondern ich muss mitgehen. Die Person bleibt bei sich und überlegt, was sie jetzt machen will, und lässt sich nicht mehr auf das andere ein. Der Schmerz ist dann nicht mehr gegen sie, sondern auf eine andere Art und Weise einfach dabei. So können neue Erfahrungen entstehen.