Das IEF, sozusagen das Mutterhaus der Systemik in der Schweiz, ist sicher der ideale Anbieter für diese Weiterbildung. Ohne systemische Sichtweise ist eine Familienbegleitung undenkbar, und so ist sie auch ein Paradebeispiel für Einsatzgebiete der systemischen Methodik. In der Familienbegleitung sollen alle Beteiligten einbezogen werden, Vernetzungsarbeit ist zentral.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden in der Weiterbildung gesetzt?
Bei der Konzeption dieser Weiterbildung habe ich versucht, die Inhalte auf fünf zentrale Fragestellungen zu konzentrieren. Der erste Punkt ist sicher die Frage nach der eigenen Rolle. Geht es um Begleitung auf Augenhöhe oder um Dienstleistung oder um beides? Was ist meine Rolle in der Familie und wie kommuniziere ich sie? Wie schaffe ich den Spagat zwischen Nähe und Distanz? Ein zweiter Schwerpunkt dreht sich um die Komplexität. Oftmals sind die Baustellen der zu begleitenden Familie so zahlreich, dass man sogar als Fachperson den Überblick zu verlieren droht. Wie kann ich in der Arbeit mit sogenannten Multiproblemfamilien die Themen effizient eingrenzen und gleichzeitig den Blick fürs Ganze behalten? Von grosser Bedeutung sind auch die folgenden zwei Frage- stellungen: Wie kann es gelingen, ein wackeliges Familiensystem so zu stabilisieren, dass es wieder ‹gut genug› ist, um dem Kind eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen? Wie erkenne ich Sucht- und psychi- sche Erkrankungen oder Traumata und wie reagiere ich situationsgerecht? Und, last but not least: Wie bleibe ich als Fachperson bei dieser herausfordernden Arbeit selbst mental stark und gesund?
An wen richtet sich dieses Angebot?
Die Weiterbildung richtet sich an Fachpersonen aus dem sozialen, pädagogischen oder medizinischen Bereich, die in der Familienbegleitung arbeiten möchten. Und natürlich an diejenigen, die bereits in diesem Berufsfeld tätig sind und ihre Handlungskompetenz erweitern und festigen wollen. Voraussetzung ist auf jeden Fall ein tertiärer Abschluss.
Wie unterscheidet sich diese neue Weiterbildung von der seit vielen Jahren erfolgreichen IEF-Weiterbildung in Elterncoaching?
Beim Elterncoaching geht es, wie man vom Begriff Coaching ableiten kann, um unterstützende Massnahmen und verschiedene Formen der Elternarbeit, die alle in einem freiwilligen Kontext und ausserhalb der Familie stattfinden. Bei der sozialpädagogischen Familienbegleitung hingegen geht es um eine aufsuchende Familienarbeit, die behördlich angeordnet werden kann, um Familien mit mehreren, sich überlagernden Problemlagen längerfristig zu Hause begleiten zu können.
Das Gespräch mit Marianne Egloff ist publiziert im IEF-Magazin Nr. 10, Frühling 2020.