Wenn konstruktive Konfliktarbeit gelingt, entsteht oft etwas sehr Erfüllendes: mehr Verbundenheit, mehr Vertrauen – und nicht zuletzt echte Freude daran, gemeinsam durch schwierige Situationen zu wachsen.
Was hat euch zur inneren Haltung gebracht, dass Konflikte Chancen sind?
Amina: Relevante Entwicklungen sind bei mir oft aus Konfliktsituationen entstanden. Kreative Lösungen, Selbsterkenntnis oder gefestigte Beziehungen waren oft nachfolgend. Vergangene Konflikte zu reflektieren und bewusst zu suchen, was daraus entstanden ist, führt mich zu Aha-Effekten. Inzwischen frage ich mich systematisch: «Wo weist mich das hin?» Dieser Frage gehe ich nicht nur im Kopf nach, sondern auch im Körper. Die Antworten zu verbinden, hat meine Haltung zu Konflikten verändert. Der Konflikt wird vom Störfall zum Signal, dem ich mit einer forschenden Neugier nachzugehen versuche. Es ist eine Entdeckungsreise zur eigenen Geschichte, die vieles auflöst und zu Authentizität führt.
Jonas: Mir geht es genauso. Viele meiner wichtigsten Erkenntnisse über mich selbst – meine Prägungen, Grenzen, Bedürfnisse – habe ich dank Konflikten gelernt, so schmerzvoll sie oft auch waren. Diese Erkenntnisse geben mir mehr Vertrauen und Freiheit beim Navigieren meines Weges. Dies ist nicht nur zutreffend auf den individuellen Lern- und Reifeprozess, sondern genauso auch auf der Ebene des Teams oder der Organisation. Wir möchten diese Neugier wecken für das, was uns Konflikte zeigen können, als einzelne Menschen und als Kollektiv.