Alkohol und verfügen über viel Erfahrung beim Versuch, den Alkoholkonsum zu reduzieren. Wir möchten die Ergebnisse dieser Studie gerne mit Ihnen diskutieren und sind neugierig auf Ihre Meinung.» Nicht nur die Wirkung der Botschaft würde steigen, auch die Selbstverantwortung der Patientinnen und Patienten. Auf ähnliche Weise könnten wir auch versuchen, Diagnosen gemeinsam mit der Expertise unserer Klientinnen und Klienten zu erarbeiten und zu nutzen.
Wie wirkt der hypnosystemische Ansatz auch auf andere Anwendungsgebiete?
Durch die Reintegration von humanistisch-systemischen und humanistisch-hypnotherapeutischen Ansätzen treffen auch verschiedene Anwendungsgebiete aufeinander. Während sich die systemischen Ansätze natürlich viel mit den Wirkmechanismen von Systemen beschäftigt haben und vieles daraus erschliessen, so erschliesst sich in der Hypnotherapie sehr viel aus der intrapsychischen und auch suggestiven Erlebniswelt mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen. Wir können aber auch unsere innere Welt systemisch begreifen und erfahrbar machen, wie andererseits Systeme hypnotische Wirkungen entfalten können. Die Anwendungsgebiete reichen über die Psychotherapie im engeren Sinne hinaus auf das weite somato-psychische Feld und umfassen Coaching, Paartherapie und -beratung, mentales Training sowie High-Performance-Bereiche, aber auch die Arbeit mit Familien, Teams oder Organisationen. Spannend und dringend nötig wäre es natürlich, den hypnosystemischen Ansatz in Friedensforschung und Politik zu bringen.
Du hast zusammen mit Christina Spirig in den Jahren 2010, 2012 und 2015 drei erfolgreiche hypnosystemische Tagungen organisiert. Können wir aus heutiger Sicht sagen, dass damit der Durchbruch des hypnosystemischen Ansatzes in der deutschsprachigen Schweiz gelungen ist?
Ich denke, wir haben diese Entwicklung zumindest angeschoben. Gunther Schmidt hat ja bereits in den 1980er-Jahren an den Hypnokongressen, die ich auch miterlebt habe, den Begriff «hypnosystemisch» eingeführt und damit auch seine eigenen therapeutischen Wurzeln integriert. Er kam als Systemiker zu Erickson und zur Hypnotherapie, bei mir war’s gerade umgekehrt. Langsam entwickelte sich daraus ein humanistisch-integrativer Ansatz, der, wie ich fand, Thema und Inhalt einer Tagung werden sollte. So kam es 2010 zur 1. Hypnosystemischen Tagung in Zürich, die Christina und ich mit Unterstützung des IEF und der GHYPS planten und organisierten. Bereits die erste Tagung war ein voller Erfolg und machte uns Mut und Lust auf mehr!
Wie waren die ersten drei hypnosystemischen Tagungen ausgerichtet und aufgebaut?
Es war uns wichtig, dass wir mit vielen, sehr erfahrenen und kompetenten Dozentinnen und Dozenten die verschiedenen Anwendungsgebiete darstellen konnten, in denen der hypnosystemische Ansatz bereits sehr wirkungsvoll praktiziert wurde. Dabei haben wir unsere Grundhaltungen und die würdigende Perspektive immer sehr betont. Die aufeinander folgenden Titel der Tagungen – «Gemeinsame Wurzeln – farbige Blüten», «Vom Wissen der Symptome zur Würde der Veränderung» und schliesslich «Neugierig Horizonte erkunden» – brachten zum Ausdruck, wie wir uns immer von der Basis ausgehend weiterentwickeln wollten. Dabei durfte jeweils der Blick über den Tellerrand nicht fehlen, den wir mit ganz speziellen Themen und Referentinnen und Referenten wie Maria Aarts, Joe Barber, Bill O’Hanlon, Lutz Jäncke, Joachim Faulstich, Willi- bald Ruch oder Scott Miller gestalten konnten.
Jetzt findet vom 17. bis 19. Juni 2022 die 4. Hypnosystemische Tagung in Zürich statt. Was ist Deine Motivation dazu, jetzt den Faden nochmals aufzunehmen?
Weil’s einfach nötig ist. (Lachen) Vielleicht habe ich auch unterschwellig gehofft, dass jemand die Sache übernimmt. Unterdessen hat sich das Feld ja gut weiterentwickelt und es ist höchste Zeit, dass es wieder einen Fokus, das heisst eine Feuerstelle, bekommt. Ich bin überzeugt, dass das hypnosystemische Feld einen Ort braucht, an dem das gemeinsame innere Feuer einen Platz bekommt, und dafür sind die Tagungen in Zürich ein idealer Ort. Aus pandemischer Sicht habe ich zum Glück bereits zwei, drei Jahre im Voraus geplant, sodass wir 2022 wieder eine «richtige» Tagung